Homosexualität: Möglichst schadlos mit Chemsex leben

Immer mehr Männer, die mit Männern Sex teilen, verstärken seine Wirkung durch Drogen: Chemsex verbreitet sich v.a. in großstädtischen Szenen. Beteiligte sind oft gesundheitlich, psychisch, sozial gefährdet und erleben oder befürchten Diskriminierung. Vierzehn Insider haben für Selbsthilfe und Beratung einen Reader zusammengestellt. Er leitet an, möglichst schadlos mit Chemsex zu leben.

Studien belegen, dass nicht allein die sexuelle Leistungsfähigkeit im Vordergrund steht. Betroffene Männer „äußern übereinstimmend einen Wunsch nach Nähe, Intimität und Beziehung. Es gelänge ihnen allerdings nicht, diese Wünsche ohne Substanzkonsum einzulösen.“ Andere Insider sehen Chemsex als eine Form des „Eskapismus für schwule Männer, die mit sozialen und psychischen Stressoren konfrontiert sind. Weiterhin könnten Unsicherheit in Bezug auf körperliches Aussehen oder sexuelle Leistungsfähigkeit abgebaut werden, wie auch erlebte Stigmatisierungen aufgrund einer HIV-Infektion, Angst vor Ablehnung und Konkurrenzerfahrungen.“ Andere Autoren bezeichnen Chemsex als eine Praxis der „Selbstermächtigung und der Befreiung“.

Eine Befragungsstudie ergab als Motive für Chemsex: „Weniger gehemmt sein; sich freier fühlen; neugieriger sein; Gefühl starker Verbundenheit; Euphorie; mehr Selbstvertrauen; ohne Scham sein; Lust, Spaß, Genuss, unverkrampft sein; leicht mit anderen in Kontakt kommen; leichtere Umsetzung sexueller Phantasien, Gefühl sexueller Ermächtigung …“

Chemsex-User leiden überhäufig unter psychischen Störungen – v.a. Depressionen, Angsterkrankungen, substanzinduzierte psychotische Episoden, suizidale Krisen. Die entsprechenden Medikamente interagieren mit den Drogen; u.U. können verheerende Folgen eintreten. Der Reader liefert einen detaillierten Überblick über die Wechselwirkungen der häufigsten Substanzgruppen.

Betroffene wie VertreterInnen der Suchthilfe finden im Reader eine Fülle praktischer und grundsätzlicher – immer authentisch erfahrungsbasierter – Anregungen.      

Chemsex
Ein Ratgeber für Beratung, Therapie und Selbsthilfe
Deimel, Daniel; Sander, Dirk; Schecke, Henrike (Hrsg.)
Pabst, 146 Seiten

» mehr Informationen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Consent Management Platform von Real Cookie Banner