Essstörungen immer häufiger tödlich

Das Sterberisiko wird bei Essstörungen häufig unterschätzt, warnt das Jahrbuch Sucht 2026. Am höchsten ist die Gefahr bei Magersucht (anorexia nervosa) mit fünf bis sechs Prozent: Allgemeine Auszehrungen, Infekte, Herzkreislaufstörungen spielen eine Rolle, oft handelt es sich letztlich um einen Suizid. Die Häufigkeit nimmt international zu.
Annähernd 18 Prozent der jungen Frauen und zwei Prozent der jungen Männer erkranken bis zum frühen Erwachsenenalter an Esstörungen – mit jährlich steigender Tendenz. „Personen aus marginalisierten Gruppen scheinen stärker gefährdet zu sein – insbesondere Personen, die mehrfach stigmatisiert sind, z.B. aufgrund von Herkunft, Geschlechtsidentität oder sexueller Orientierung.“
Die Psychiatrin Dr. Monika Vogelgesang beschreibt einen typischen Verlauf der Magersucht (anorexia nervosa): „Ein geringes Selbstwertgefühl, starke Abhängigkeitswünsche, eine extreme Besorgtheit, Leistungsansprüche zu erfüllen, eine familiäre Betonung von Ernährung, evtl. leichtes Übergewicht, psychosoziale Stressoren bilden den Nährboden dafür, dass sich aus einem ´normalen´ Diätversuch eine rigide Abmagerung entwickelt. Diäten gehören zu den stabilsten Vorstufen einer Anorexie. Als sehr wirkungsvoller Verstärker fungiert schon früh ein Gefühl der Euphorie, das auf eine hungerbedingte Endorphinausschüttung zurückgeführt wird. Positiv erlebte Konsequenzen sind die Erfahrungen eigener Selbstkontrollfähigkeit und Willensstärke bezüglich der Nahrungsrestriktion sowie die Anerkennung der Peergroup bezüglich der erfolgreichen Gewichtsabnahme. Der Hungerzustand führt zu einer immer größeren Nahrungsbesessenheit … Daher ist eine Therapie umso erfolgreicher, je früher sie einsetzt.“
Das Jahrbuch Sucht zitiert die Lancet Psychiatry Commission on Youth Health: Solange Menschen aus der nachwachsenden Generation zunehmend Wertschätzung fehlt, wird die Gesellschaft mehr und mehr prekär. Die Krise der mentalen Gesundheit junger Menschen ist mehr als nur eine Warnung.

DHS Jahrbuch Sucht 2026
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hrsg.)
Pabst, 342 Seiten, Hardcover

Psychotherapie der Sucht
Methoden, Komorbidität und klinische Praxis
Vogelgesang, Monika; Schuhler, Petra (Hrsg.)
Pabst, 520 Seiten