DHS warnt vor Überlastung der Suchthilfe

Neue Zahlen zeigen eine weiterhin dramatische Lage: 2.150 Menschen sind 2025 infolge von Drogenkonsum gestorben. Besonders alarmierend ist dabei eine Entwicklung, die sich bereits seit einigen Jahren in der Praxis der Suchthilfe abzeichnet: Immer mehr junge Menschen gefährden sich durch einen extremen und hochriskanten Mischkonsum.  

„Die polizeilich registrierten Todesfälle junger Drogenkonsumierender, die polyvalent konsumieren – also verschiedene Substanzen gleichzeitig nehmen – sind leider nur die Spitze des Eisbergs“, warnt Eva Egartner, stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) und Geschäftsführerin des Fachverbands Drogen- und Suchthilfe (fdr+). „In unserer täglichen Arbeit sehen wir eine wachsende Gruppe junger Menschen, die sehr riskant konsumieren. Oft wissen sie nicht, welche Substanzen sie genau zu sich nehmen und können die Folgen nicht abschätzen. Massive psychische und soziale Probleme können die Folge sein, von Konzentrations- und Schlafstörungen bis hin zu Psychosen, Schul- und Ausbildungsabbruch, Bruch mit Menschen im sozialen Umfeld und vieles mehr.“

Schwer erreichbare Zielgruppen

Die hochgradig komplexen und nicht selten konfliktreichen Fälle stellen die Suchthilfe vor enorme Herausforderungen. Gleichzeitig verschärfen sich die Rahmenbedingungen dramatisch: Den bestehenden Hilfen fehlen die finanziellen, personellen und strukturellen Ressourcen, um die Betroffenen so intensiv und individuell zu betreuen, wie es eigentlich zwingend notwendig wäre.

Gespart wird an der falschen Stelle

„Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass ein ohnehin am Limit arbeitendes Hilfesystem weiter kaputtgespart wird. Wenn wir jetzt nicht gezielt in die Weiterentwicklung und in den Ausbau der Hilfe-, Beratungs- und Behandlungsangebote investieren, lassen wir eine ganze Generation hilfebedürftiger junger Menschen im Stich“, betont DHS Geschäftsführer Dr. Peter Raiser

Forderung nach Kurswechsel

Um eine weitere Eskalation zu verhindern, fordert die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) dringend einen politischen Kurswechsel und eine spürbare Stärkung der Strukturen. Konkret braucht es:

  1. Flächendeckende und nachhaltige Präventionsangebote vor allem an Schulen, um aufzuklären, junge Menschen zu stärken und ihre Selbstwirksamkeit im Fall auftretender Probleme zu erhöhen.
  2. Mehr Frühintervention und aufsuchende, niedrigschwellige Hilfen, um junge Konsumierende zu erreichen, bevor der soziale Absturz unumkehrbar wird.
  3. Zusätzliche Ressourcen für Koordination, Kooperation, Fallmanagement und eine passgenaue Hilfeplanung innerhalb der Jugendhilfe, um den komplexen Problemlagen gerecht zu werden.
  4. Eine nachhaltige Stärkung des Akutbereiches in der medizinischen und psychiatrischen Versorgung einschließlich Plätzen zur Entzugsbehandlung.
  5. Den gezielten Ausbau von adäquaten Behandlungsplätzen im Rehabilitationsbereich und Anpassungen der Behandlung an die Bedürfnisse und Anforderungen der Personengruppe.

„Es ist höchste Zeit, entschieden und aktiv gegenzusteuern“, bekräftigt auch Prof. Dr. Norbert Scherbaum, DHS Vorstandsvorsitzender und Leiter der LVR-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Essen. „Nur ein krisenfestes, auskömmlich finanziertes und flexibles Suchthilfesystem kann hochgradig gefährdete Menschen rechtzeitig auffangen und Todesfälle vermeiden.“

Weitere Informationen:

  1. DHS Positionspapier: „Suchtpolitische Forderungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen an eine Regierungskoalition der Bundesrepublik Deutschland 2025-2029“. Download: https://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/dhs-stellungnahmen/2025-01-27_DHS_Positionen_zur_Bundestagswahl.pdf
  2. DHS Positionspapier – kurz und kompakt: „Suchtpolitische Forderungen der DHS“. Download: https://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/dhs-stellungnahmen/2025-08-06_Suchtpolitische_Forderungen_der_DHS_kurz_und_kompakt.pdf

DHS Jahrbuch Sucht 2026
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hrsg.)
Pabst, 342 Seiten, Hardcover

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