Jahrbuch Sucht: mehr Geld für Glücksspiel als für Bundeswehr-Etat

Allein der legale Glücksspiel-Umsatz lag in Deutschland 2024 mit 69,1 Milliarden Euro deutlich höher als aktuell der deutsche Verteidigungshaushalt mit 62,43 Milliarden Euro. „Außerdem existiert ein illegaler Markt von Sportwetten, virtuellen Automatenspielen, Online-Casinospielen, Online-Poker sowie Online-Zweitlotterien,“ berichtet das Jahrbuch Sucht 2026. Etwa zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung leidet unter einer Spielsucht („Glücksspielstörung“).

„Spielerinnen und Spieler mit der Teilnahme an virtuellen Automatenspielen weisen den höchsten Anteil an Glücksspiel-Störungen auf, gefolgt von Glücksspielautomaten, Live-Wetten auf Sportereignisse, Geldspielautomaten in Spielhallen und Gaststätten sowie Poker.“

„Aus der Perspektive der Suchtprävention stellt die weiterhin zu beobachtende Expansion legaler Glücksspielangebote in Deutschland eine deutliche Fehlentwicklung dar,“ kritisieren Gerhard Meyer und Tobias Hayer im Jahrbuch Sucht. „Befeuert wird der Trend durch die omnipräsente, wirksame Werbung für verschiedene Glücksspielangebote in Rundfunk und auf Social Media… Um das Gemeinwohl zu stärken und den Gesundheitsschutz vor kommerziellen Einflüssen zu bewahren, bedarf es primär einer Reduktion der Verfügbarkeit von Glücksspielen und eines Verbots bzw. einer deutlichen Einschränkung von Werbung und Sponsoring für Glücksspiel-Produkte. 

Daneben sind verschiedenartige Instrumente zur Bekämpfung illegaler Glücksspielangebote umzusetzen. Hierzu zählen in erster Linie Maßnahmen wie Financial Blocking (Sperrung unerlaubter Angebote) im Online-Segment sowie die Stärkung des Vollzugs oder die Einrichtung von Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften. Hingegen wäre aus Sicht des Spielerschutzes eine (bloße) Steigerung der Attraktivität des regulierten Glücksspiels der falsche Ansatz, da hiermit lediglich zusätzliche Spielanreize und damit Suchtgefahren im legalen Raum geschaffen würden.“

DHS Jahrbuch Sucht 2026
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hrsg.)
Pabst, 342 Seiten, Hardcover

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