Suchtprävention im Glücksspiel: Der Dialog ist der Königsweg

Glücksspiel kann zur Lebensqualität beitragen – oder aber in Sucht und Ruin treiben. Daher empfiehlt der Psychologe Dr. Henning Brand dem Personal in Spielhallen und Kasinos: „Sieh Dir Deine Gäste an. Betrachte sie als Menschen. Sprich mit ihnen. Lass nicht jeden spielen.“ Wie gelingt oder misslingt Suchtprävention in Spielbetrieben? Brand zieht in seiner empirischen Studie Spielen im Dialog Bilanz nach mehr als zehn Jahren Präventionsarbeit und bietet Beteiligten Hinweise zu kritischer Reflexion.

Das Personal in Spielstätten beobachtet nicht nur das Verhalten der Gäste, sondern erlebt auch unerwartete Selbstöffnungen und kann daher meist rechtzeitig einschätzen: Erleidet der Gast einen Kontroll- oder Realitätsverlust? Spielt der Gast, um Stress und Frust zu verdrängen? Beginnt er, sein Äußeres und seine Umgangsformen zu vernachlässigen? 

Für Brand ist entscheidend, dass das Personal von Anfang an Kontakt zu Gästen aufbaut – und ein Spielen im Dialog ermöglicht.

„In diesem Kontext kommen häufig auch erste konkrete Maßnahmen zum Einsatz, etwa in Form von Kurzinterventionen wie temporäre Spielunterbrechungen, der Übergabe von Selbsttests oder der Bereitstellung von Informationsmaterialien. Gespräche übernehmen hier bereits eine doppelte Funktion: Sie dienen sowohl der Informationsgewinnung als auch der initialen Intervention.

Eng damit verbunden sind Gesprächsinhalte, die auf die Unterstützung der Selbstkontrolle abzielen. Diese werden typischerweise durch beobachtete Auffälligkeiten im Sinne der Früherkennung ausgelöst und beinhalten Informationen über Möglichkeiten der Verhaltensregulation. Dazu zählen insbesondere Hinweise auf Spielunterbrechungen, Besuchsbeschränkungen oder andere Formen des Pre-Commitments, bei denen Spielgäste freiwillig Limits für ihr eigenes Verhalten festlegen. Solche Gespräche stellen präventive Hilfsangebote dar, die darauf abzielen, die Selbstregulationsfähigkeit der Spielgäste zu stabilisieren und zu stärken. In vielen Sozialkonzepten bilden sie den Kernbereich der praktischen Umsetzung.

Darüber hinaus umfassen Gespräche auch Inhalte, die sich auf formalisierte Schutzmechanismen beziehen. Hierzu gehört insbesondere die Information über Spielersperrsysteme … Ein weiterer Übergangspunkt liegt in der Thematisierung externer Hilfsangebote. Hier werden Spielgäste über Beratungsstellen, therapeutische Angebote oder Selbsthilfegruppen informiert.“

Ein präventives Sozialkonzept ist für alle Glücksspiel-Einrichtungen gesetzlich vorgeschrieben; das Personal wird entsprechend geschult. Brand sieht allerdings große Unterschiede in der Qualität der (u.U. geschäftsschädlichen) Präventionsleistungen …