Alkohol und Drogen verhindern eine heilsame Traumaverarbeitung

Nach einem Trauma suchen Betroffene häufig Trost und Vergessen bei Alkohol, Drogen, Beruhigungsmitteln oder Glücksspiel und entwickeln u.U. eine Sucht. Damit entsteht aus einer kurzzeitigen Entlastung eine langfristige zusätzliche Belastung, berichtet Dr. Monika Vogelgesang in ihrem Fachbuch ´Psychotherapie der Sucht´. In einem online-Seminar am 26. März macht die erfahrene Psychotherapeutin KollegInnen mit diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten vertraut.
Insbesondere sedierende Substanzen „reduzieren das traumabezogene Wiedererleben. Angst und Alpträume werden weniger, ebenso das Hyperarousal. Der Schlaf verbessert sich, Entspannung wird möglich. Das traumabezogene Vermeidungsverhalten kann vor diesem Hintergrund reduziert werden. Im Fall sexueller Traumata ´ermöglichen´ Suchtmittel häufig das Erleben von Sexualität, das ansonsten als Auslöser intensiver Intrusionen vermieden wird.
In der frühen Phase nach dem Trauma bewirken Suchtmittel eine Reduktion des Wiedererlebens und des Hyperarousals . Mit abnehmendem Substanzspiegel werden die Intrusionen jedoch wieder stärker. So wird einerseits der Suchtmittelkonsum auf hohem Niveau perpetuiert, andererseits wird den Betroffenen die Möglichkeit genommen, die erste Phase der Traumaverarbeitung adäquat zu durchlaufen. Die Person bleibt ´kreisend´ auf diesem Wegabschnitt der Traumaverarbeitung stecken,“ berichtet Monika Vogelgesang. Eine weitere Traumaverarbeitung wird verhindert, und das Leid der Traumafolge-Symptome endet nicht.
Bei der Befreiung vom Trauma und von Psychotropen Substanzen spielen die therapeutische Beziehung, die Etablierung von Sicherheit und die Ressourcenstärkung wesentliche Rollen, berichtet Monika Vogelgesang und beschreibt wirksame therapeutische Verfahren.
Mehr: https://www.sucht.de/events/sucht-und-trauma-26-03-2026-online/

Psychotherapie der Sucht
Methoden, Komorbidität und klinische Praxis
Vogelgesang, Monika; Schuhler, Petra (Hrsg.)
Pabst, 520 Seiten, 3. erweiterte und aktualisierte Auflage