Sozialarbeit für Kinder in suchtbelasteten Familien

Etwa drei Millionen Kinder leben in Deutschland in einer drogenbelasteten Familie. Wird ein Kind geboren, sind Väter oft anfänglich motiviert, clean zu werden. Diese Chance sollte genutzt werden, empfehlen die Sozialarbeiterinnen Brigitta Lökenhoff und Martina Tödte. In ihrer Studie zeigen sie, wie Kinder- und Jugendhilfe gemeinsam mit der Suchthilfe drogenbelastete Väter auf einen guten Weg begleiten können.

„Viele Drogenkonsumierende nehmen das Jugendamt als Institution wahr, welche vorrangig auf die Mütter fokussiert ist und suchtmittelabhängigen Vätern per se misstraut. Insofern sind nicht nur Angebote angezeigt, die Väter bei der Kontaktanbahnung zu ihren Kindern unterstützen, sondern es gilt auch, die Angst vor dem Jugendamt abzumildern. Drogenabhängige Väter sollten von den Jugendämtern in Bezug auf ihre Vaterrolle stärker und regelhaft gefordert und gefördert werden. Abgesehen davon ist eine systematisch verankerte Kooperation zwischen Drogenhilfe und Jugendhilfe zu entwickeln.“

Ein Teil der Männer (und Frauen) mit einem problematischen Substanzgebrauch ist – evtl. nach einem erlittenen Trauma – bindungsgestört, also evtl. nicht in der Lage, Sensibilität für die emotionalen Bedürfnisse und Signale ihrer Kinder zu entwickeln. In den Lebenserfahrungen fehlt oft auch ein Vater, der als Rollenvorbild dienen könnte. Entsprechend reichhaltig ist der Bedarf an sensibler Beratung und Ermutigung. Dazu gehören Möglichkeiten für die kritische Reflexion von Geschlechterrollen, Mutter- und Vaterrollen, evtl. auch Geschlechtsidentitäts-Problemen, berichten Lökenhoff und Tödte.

Die Studie erschien im Reader „Durchgerutscht“. Er beschreibt in 15 Einzelbeiträgen Sozialarbeit für suchtbelastete Familien und konkretisiert, wie es sich vermeiden lässt, dass Kinder und Jugendliche zwischen den verschiedenen Hilfesystemen ´durchrutschen´.

Durchgerutscht: Kinder und Jugendliche zwischen den Hilfesystemen!
Analysen und Lösungsansätze zur Sozialarbeit in suchtbelasteten Familien
Peter Schay, Roland Helsper, Niklas Helsper
Pabst, 316 Seiten

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